“Wieso tue ich mir das eigentlich an? Hab ich in meiner Kindheit nicht schon genug Berge bestiegen, habe ich nicht die Zugspitze oder den Säntis beklettert, reicht das denn nicht? Ist es das wirklich Wert?” frage ich mich während ich nach einer stundenlangen Schlammschlacht unserem Tourguide um die nächste Ecke des engen Nebelwald-Trampelpfades, Nein, Trampelflusses folge. Über Stock und Stein wäre für diesen einen Pfad wohl eine maßlose Untertreibung, denn unser Weg führt uns nun schon seit dem Sonnenaufgang über so einige Stöcke und Steine, aber vor allem über einen immer tiefer werdenden Schlammfluss der seit einigen Minuten auch damit angefangen hat, uns das überschüssige Nebelwasser in einem leichten aber stetig stärker werdenden Fluss voller Schlamm von oben herabzusenden. Ich befinde mich mal wieder auf einer der vielseitigen Vulkantouren in Nicaragua, dem Land des Feuers. Aber von Feuer ist hier oben weit und breit überhaupt nichts mehr zu sehen. Stattdessen wird der wilde Nebelwald immer dichter, der Wanderfluss immer steiler und rutschiger und ich selbst mit jedem Schritt nässer. Vom anmutigen, hochmotivierten Wanderer-Burschen der heute Morgen mit seinen tollen Wanderschuhen und prall gefülltem Tagesrucksack dem Guide begegnet ist ist nicht viel mehr als ein müder Reisender mit hängenden Schultern in Schlamm-Cameo-Jacke übrig. Doch für einen weiteren Vulkan ist mir nichts zu schade! Denn Nicaraguas Berge haben bis jetzt noch kein einziges Mal enttäuscht.
Da war zum Beispiel der grün-gelbe Riese mit dem klangvollen Namen Mombacho. Umringt von gigantischen Regenwaldbäumen ragt seine Spitze so weit über das Land hinaus, das von oben ganz Nicaragua zu sehen gewesen wäre. Auf dem Mombacho wanderten wir von Krater zu Krater, entdeckten immer wieder neue Löcher im Boden aus denen heißer Schwefeldampf in unsere neugierigen Gesichter blies, und waren uns nicht zu schade unser selbst nach dem Sprachkurs fragwürdig brüchiges Spanisch zu Rate zu ziehen um ein paar Tiere und Pflanzen kennenzulernen. Nach ein paar Stunden kamen wir dort an einen gigantischen, gelben Schlund der beim letzten Hickser gleich einen halben Wald in Windrichtung aus Versehen verschluckt hatte.









