Heute will ich mal ein rein hypothetisches Szenario beschreiben: Wie wäre es eigentlich, wenn man schon am zweiten Tag in Luxor beide Handys in einem Taxi vergessen würde.
Vor so einer Reise ist es immer sinnvoll, alle möglichen Verlustszenarien durchzuspielen. Was passiert, wenn wir unseren Rucksack während des Flugs verlören, was wenn wir uns gegenseitig nicht mehr fänden oder wir überfallen würden? Wir haben da unterschiedlichste Szenarien durchgespielt und uns immer etwas mal mehr mal weniger schlaues einfallen lassen mit einer solchen “Krise” umzugehen. Wir haben uns zum Beispiel AirTags bestellt die wir an den wichtigsten Gepäckstücken angebracht haben, um eine bessere Chance auf ein Wiedersehen mit unseren verlorenen Rucksäcken zu bekommen. Wir haben Namens und Kontaktkarten an und in jedes erwähnenswerte Gepäckstück platziert. Und ich habe selbst Stunden damit verbracht zu überlegen, wie ich wieder an meine Passwörter käme wenn ich überhaupt keine digitalen Endgeräte mehr hätte.
Aber zurück zu unserem ganz konkreten, höchst theoretischem, Szenario. Angenommen, wir kämen von einem ägyptischen Tempel zurück und hätten beide Handys im Taxi dabei. Aus einem unerklärlichen Grund hätte Schai, der ägyptische Gott des Schicksals, entschieden das beide(!!) unsere Mobilfunk-Alleskönner es in einem ägyptischen Taxi angenehmer fänden als in meiner Hosentasche. Was könnten wir machen um dieser so aussichtslosen Lage Herr/Frau zu werden?
Vermutlich würden wir schon sehr bald bemerken dass diese Zentren unserer Kommunikation abhanden gekommen wären. Wir würden einander anschauen, uns mit aufkommenden Entsetzen versichern das der jeweils andere nichts vom Verbleib der Geräte wüsste um dann schnellstmöglich alternative Auffindungsmechanismen aus dem Hotelzimmer zu holen. So würde ich in aller Eile auf unser Zimmer gehen und Tablet sowie Macbook heraussuchen, denn über diese Geräte hätten wir zumindest die Chance, die verloren gegangen Handys zu lokalisieren. Maren könnte schon anfangen, in der Hotellobby das Empfangspersonal zu bitten, uns in unserer misslichen Lage beizustehen.
Nachdem wir dann mit unseren anderen beiden Geräten in der Lage waren, ähm wären(!), zu sehen dass unsere Handys vermutlich schon wieder am Tempel angekommen wären würde ich, mit dem Tablet bewaffnet, zu einem Taxi eilen um zum vermeintlichen Aufenthaltsort unserer Handys zu fahren. Natürlich würde der Taxifahrer in eine komplett andere Richtung fahren und ich könnte ohne Internet, dass ich am Tablet nicht hätte, nur sehr verspätet bemerken dass der Höllenritt, mit vollstem Adrenalin begleitet, fehlgeleitet wäre. Nach einem kurzen Zwiegespräch mit dem Taxifahrer würde ich dann zum Karnak Tempel gefahren. Der Taxifahrer würde sich aber natürlich alle 2 Minuten versichern lassen, dass ich an ihn denken sollte wenn ich mein Smartphone gefunden hätte. Wohl wissend, was ein solch mobiles Endgerät für einen Wert darstellt.
Nachdem ich ihn dann für seine Dienste fürstlich entlohnt hätte würde ich, angekommen am Tourist Center von Karnak, versuchen einen Internetzugang zu erhaschen um mit dem Tablet den möglicherweise geänderter Standort der Mobiltelefone zu bekommen. Mit ein bisschen Glück wären die Geräte immer noch am selben Standort und ich würde mithilfe der lokalen Taxifahrer versuchen herauszufinden, an welcher Straße genau unsere Handys zu finden wären. Vermutlich wäre die Lokalisierung auch für die lokalen Fahrer nicht so einfach, wären sie doch nicht so geübt in der Verwendung von westlichen Navigations-Apps. Ich würde aber sicher nach einer kurzen Diskussion mit einem neuen Taxi an einen Ort, etwas außerhalb Luxors, fahren um nach dem Handy zu suchen.
Es könnte aber natürlich auch sein, dass gerade dieses bestimmen des Standorts auf der digitalen Karte falsche Schlüsse geliefert hätte und wir selbst mit aufrichtiger Hilfe der lokalen Bevölkerung schon wieder an einen falschen Ort gefahren wären. Dieses Missverständnis ließe sich aber sicher nach einem kurzen klärenden Gespräch in gebrochenem Englisch aufklären und wir würden wieder zurück zum Tempel fahren. Dort fänden wir vermutlich zuerst den von Schai zu großzügig beschenkten Taxifahrer der uns sicher schnell helfen könnte, sein Taxi und damit unsere Handys ausfindig zu machen.
Sicher würde ich im Adrenalinrausch vergessen, Maren mit meinen ja auch nur mangelhaften Kommunikationsmöglichkeiten, von diesem großartigen Fund zu benachrichtigen. Sie wäre sicher sowieso vollends damit beschäftigt, in regelmäßigen Abständen unsere Handys anzupingen immer mit der Furcht im Hinterkopf, den Zugang zu meinem Macbook zu verlieren. Es wäre ja vermutlich so, dass sie das neue Passwort von mir nie erfahren hätte.
Meine Rückkehr zum Hotel wäre aber auf jeden Fall triumphaler als die Rückkehr Caesars nach einem seiner Kriegszüge. Mit meinen digitalen Votivgaben würde ich sicher mit einem müden, aber erleichterten, Lächeln empfangen. Die Erfahrung wäre sicher spannend, aber falls du mal erwägst etwas ähnliches zu planen würde ich persönlich davon abraten. Das klingt alles schon ganz schön nervenaufreibend. Finden könntest du dein Handy vermutlich aber schon.


