“One Selfie please?” … “Ok” Geht es schon am Bahnhof los. Mittlerweile sind wir es ja gewöhnt, dass einheimische indische Touristen den Anblick von weißer Haut und blonden Locken nicht kennen, und ihn wohl als Selfie-würdig einstufen. Aber nach unserer stressigen Anreise nach Hampi, die uns 1 1/2 Tage zu viel Zeit und vor allem einen einigermaßen intakten Schlafrhythmus geklaut hatte liegen unsere Nerven schon seit Stunden auf dem nicht nur sprichwörtlichen Flach-Gleis. Ja, wirklich, so flach waren sie, dass selbst solcherlei tieffliegende Witze angebracht sind!
Wir hatten größere Probleme unseren Nachtbus zu nutzen, hatten stundenlang in tiefster Nacht an einer Autobahn gewartet, nur um dann um 4 Uhr Nachts letztlich aufzugeben. Am nächsten Morgen buchten wir dann die umständliche Zug-Anreise nicht ohne kurz darauf festzustellen, dass der Nachtbus am nächsten Abend gekommen wäre. Noch in der Nacht fanden wir auch, dass das “Hohelied des Reisenden” uns schon von Anfang an vor der Ganesh Travel Agency gewarnt hätte. Aber während so einer Reise hat man leider nicht immer Zeit, sich mit der einschlägigen Lyrik abzugeben.
“Just one more, ok?” Bittet der Familienvater, als er seinen Sohn ohne dessen klare Einwilligung, nein eigentlich trotz dessen unmissverständliche Gegenwehr zwischen die beiden fremden, übermüdeten Touristen klemmt. Es ist ja nicht so, als hätten wir einen strammen Zeitplan. Der ist sowieso schon dahin, genau wie unsere müden Lächeln nach dem zehnten Foto in nur marginal angepasster Familien-Konstellation. “Ok, we have to go” stammle ich, den zu kreativen Höchstleistungen angestachelten Vater bei seinen neu entdeckten Regisseur-Tätigkeiten kurzerhand unterbrechend.
“Thank you” sieht er letztlich ein und verabschiedet sich. “Thank you!” antworte ich automatisch, wie immer erst zu spät merkend, dass es eigentlich nicht an mir ist, mich zu bedanken. Wirklich gewinnbringend war das Foto-Shooting nun auch wieder nicht. “Aber was sollte man auch sonst mit so einem Tag anfangen”, bringen meine Gehirnzellen mich mit letzter Kraft noch zum Nachdenken. Hastig packen Maren und ich unsere 3 Sachen und suchen nach dem Bahnhofs-Ausgang. Zu hoch ist die Gefahr von durch unsere Foto-Session inspirierten Nachahmungs-Tätern auf dem sich leerenden Gleis.







