Als Informatiker kann ich ein Detail unserer Ägypten-Exkursion leider nicht unerwähnt lassen. Immer wieder gibt es Diskussionen darüber, wer denn eigentlich die moderne Informatik erfunden bzw. maßgeblich beeinflusst hätte. Waren es die englischen Mathematiker im zweiten Weltkrieg? Waren es die vielen Frauen die auch in der Nachkriegszeit als wahre Rechenkünstlerinnen die eigentlichen Programmierarbeiten hatten bevor die Männer das Interesse an den Lochkarten zurückentdeckten? Zumindest was Excel betrifft kann ich heute eine definitive Antwort geben, die die meisten vermutlich nicht erahnt hätten.

Im Karnak Tempel (Ja, das ist schon etwas länger her) sind wir dank unserem Ägyptologen auf diese ägyptische Rechentabelle aufmerksam geworden. Nach einer kurzen Einführung in das Hieroglyphen-Zahlensystem war schnell klar, wer der wahre Erfinder des tabellengestützten Rechenchaos war. Ramses II, Pharao der 18. Königsdynastie. Voller Liebe haben die Ägypter hier eine Rechnung nach der Nächsten verewigt. Genau wie in moderner Notationsweise mit Reihen, Spalten, Spalten-Summen und sogar einer Gesamtsummierung. Da kommt ja jeder Bürohengst automatisch ins Schwärmen.
Auch inhaltlich scheinen zumindest einige der Themen auf die heutige Zeit abzustrahlen. Man könnte von Abgaben-Rechnungen lesen oder auch, mal etwas exotischer, von den korrekten Mengen an Opfergaben für die jeweilige Gottheit. Das kann man ja schon recht gut vergleichen mit den heutigen Tabellen zur Finanzplanung oder zur Umsatzsteuer.
Einen Nachteil hatte die Stein-Notation aber vermutlich schon. Besonders dynamische Tabellen, zum Beispiel Pivot-Tabellen, waren sicher mit einem gewissen Mehraufwand begleitet. Selbst die schnellsten Prozessoren dürften zum darstellen einige Wochen gebraucht haben. Aber mit etwas Geduld und am besten guter Vorausplanung war das sicher alles zu schaffen. Obwohl dabei manche Änderungen vermutlich relativ einfach durchzuführen gewesen sein müssen. Besonders das Löschen einzelner Zellen oder Reihen ging im gommemode verhältnismäßig schnell.
Zum Glück (für Microsoft) wurde damals das Patentrecht nicht immer allzu ernst genommen, sonst wäre vielleicht Ramses-Tables zum dominanten Anbieter von „ach-das-geht-doch-auch-mit-excel“-Software geworden.


