“Pffft” zischte es ganz leise aus den Untiefen des Nebels. Kalt schwappte das dunkle Wasser an unser Boot, wir klammerten uns aneinander um uns im nass-kühlen Nebel verzweifelt zu wärmen und warteten auf, na ja, worauf warteten wir eigentlich?
Heute morgen waren wir schon um 5 Uhr Morgens müde an Board dieses kleinen Kutters gewatet, unsere Augen noch voller Schlaf, unsere Köpfe noch müde von der langen Fahrt in den Norden Baja Californias, an die Pazifik-Küste der Magdalena Bay. Nach einer zweistündigen Bootstour durch graue Nebelschwaden waren wir dann plötzlich mitten auf dem Wasser stehen geblieben. Der Motor war aus und wir saßen nun alleine auf dem ruhigen Meer, verlassen und mit nur 3 Meter Sicht bis zur dicken Nebelwand. Es schwappte noch die ein oder andere Welle an die Schiffsaußenwände, mal hörten wir noch das Knirschen der großen Flügel eines Pelikans der im Dunkeln an uns vorbeiflog doch ansonsten war alles Mucks-Wälchen-Still.
“PFFFT” zischte es plötzlich hinter uns, nur ein einziges Mal, ganz leise. Wir drehten unsere Köpfe doch es war nichts zu sehen, der Nebel verschluckte unsere Blicke und die Stille schwappte wieder über uns herüber. “PFFFT” zischte es erneut, dieses Mal aus einer ganz anderen Richtung. “PFFFT” kam es ein drittes Mal, nun wieder hinter uns und unser Kapitän ließ leise seinen Motor an und manövrierte uns hinein in den dichten Nebel, immer wieder auf der Jagd nach dem nächsten Geräusch. Dann wieder Stille. “PFFFT”. Jetzt ganz nah! Dann kam ein leichter Windstoß und brach den Nebel um uns herum für einen kurzen Moment auseinander, ein hellgrauer Schatten wölbte sich wenige Meter neben uns unter der Wasseroberfläche, ein Wasserwirbel bildete sich vor uns und eine riesige Schwanzflosse durchstieß für einen Moment die Wasseroberfläche. Dann verdichtete sich der Nebel wieder und unsere Anspannung waberte spürbar mit dem Nebel über der ruhigen Blau.
Das ging so noch gut 90 Minuten weiter. Immer wieder hörten wir aus einer anderen Richtung ein leises “Pffft”, das entspannte Ausatmen eines WALichen Tauchexperten, eines Grauwals, dann wieder Stille. So nach und nach vertrieb dann die Sonne den gespenstischen Nebel und uns gelang es, in ein paar hundert Metern eine Schwanzflosse und eine kleine Wasserfontäne zu erspähen. Wir näherten uns langsam, stoppten den Motor und warteten auf die Grauwal-Dame, die da vor uns und um uns herum ihre weiten Kreise zog. Ein paar Mal näherte sie sich vorsichtig nur um dann direkt wieder abzudrehen, ihr Partner schien weit vorsichtiger und weniger neugierig auf uns zu sein als die Graue Dame vor uns. Doch letztlich siegte die Neugier und sie kam ganz langsam zu unserem Boot. Nur einen Meter vor uns steckte sie ihre große, spitze Schnauze aus dem Wasser und hob sie bis auf Relinghöhe an das Boot heran. Wir hatten zum Glück ein Boot erwischt, bei dem alle Mitreisenden den notwendigen Respekt vor der Natur hatten und keiner wagte es den Wal zu berühren, auch wenn das augenscheinlich das war, worauf die Dame zu hoffen schien. Sie drehte sich neugierig herum, machte eine wilde Drehung im Wasser und verschwand dann nach ein paar Minuten wieder im Nebel. Wir alle erinnerten uns plötzlich daran dass nicht nur Grauwale sondern auch Menschen Säugetiere sind und begannen langsam wieder an zu atmen.




