Petra, ein Weltwunder in rot

Jordanien ·   ·  5 min zu lesen

Heute Morgen sind wir so früh wie möglich aufgebrochen. Unser Ziel: Eine antike Stadt, in roten Sandstein gehauen. Schon viel haben wir im Vorhinein von Petra gehört und gelesen. Diesem Weltwunder der Moderne.

Vor mehr als 2000 Jahren haben die Nabatäer sich dazu entschieden, ihre Hauptstadt hier in Jordanien zu errichten. „Stein auf Stein, das kann ja jeder“ muss sich ein/e ambitionierte/r Stadtplaner/in damals gedacht haben als der Plan entstand alle großen Gebäude direkt aus dem Stein zu schlagen anstatt sie wie andernorts üblich von Grund auf zu erbauen. Und was soll ich dazu sagen, ich bin dieser Person heute sehr dankbar. Denn diese Bauweise hat wohl dazu geführt, dass wir heute hier hergekommen sind.

So schlängeln wir uns denn auch, noch etwas verschlafen, das kilometerlange Zugangstal in die Stätte hinein. Begleitet von den Überresten eines ehemals genialen Wasserleitungssystems das den Nabatäern es erst ermöglichte, bis zu 30.000 Menschen an diesem eher unwirtlichen Ort zu beherbergen. Vor jeder Biegung erwarten wir schon das bekannte Schatzhaus, die sicher berühmteste Fassade der Stadt. Aber stattdessen werden wir immer wieder überrascht von neuen, noch beeindruckenderen Felsspalten und ersten, noch meist kleinen, Felsbearbeitungen. Die Landschaft um Petra wäre es schon für sich wert, hier mehrere Tage zu verweilen. Zu allen Seiten türmen sich rote Sandsteinfelsen empor, stilvoll umrahmt von gelegentlichen grünen Büschen. Da fällt es selbst mir, als alten Schwarz-Weiß-Fetischisten, nicht schwer auch ab und zu ein bisschen Farbe durch die Kameralinse träufeln zu lassen.

Nach einer letzten Biegung ist es dann aber tatsächlich in unserem Blickfeld. Das Schatzhaus, eine riesige aus dem Felsen geschlagene Kontur eines antiken Tempels. Und es verschlägt einem schon wieder den Atem vor dieser so perfekt erhaltenen Baukunst. Trotz des Alters lassen sich hier die wirklich makellosen Kapitelle der zahlreichen Säulen erkennen. Eine solch gut erhaltene, und dann noch durch ihre einmalige Bauweise so markante Tempelwand haben wir noch nie gesehen. Und jedes Foto dass wir im Vorhinein gesehen haben kann nur der verzweifelte Versuch gewesen sein, diese Pracht einzufangen. Aber, so leid es mir für euch Lesenden auch tut, die Fotos können nur einen kleinen Teil unseres Erlebnisses darstellen.

Dass das alles aus einem Felsen gehauen sein soll, geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Da sind diese wunderschönen Blumen-Verzierungen, die noch heute ihre Wirkung nicht verfehlen. Die Rundungen, die ich selbst bei restaurierten Tempeln noch nie in so einer Präzision und Kunstfertigkeit gesehen habe. Voller Kraft, und ich meine jetzt nicht diese ägyptische „Magie“, strecken sich die Säulen gen Himmel und brennen sich so unvergesslich in unsere Augen.

Und das ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Petra erstreckt sich über mehrere Quadratkilometer in diese Felslandschaft hinein. Da gibt es weitere, ähnlich imposante, Fassaden aber auch tausende kleinere in den Fels gehauene Gebäude die von einem antiken Alltag in der durch fernöstlichen Handel bestimmten Stadt träumen lassen.

Nichts beschreibt den Luxus der nabatäischen Elite besser als die zahlreichen Swimmingpools, teilweise sogar mit Infinitywand die hier gefunden wurden. Wer es sich leisten kann an einem Ort, an dem es jährlich nur 10cm Niederschlag gibt, entspannt in einem Pool zu liegen, dem kann es nicht allzu schlecht ergangen sein.

Alle Gebäude der Nabatäer hier sind wie das Schatzhaus in einem Stück aus der Wand erschaffen. Das sorgt dafür, dass sie, selbst wenn einiges nicht fertig gestellt scheint oder teilweise auch zerfallen ist, sich uns als Besuchern nicht minder schön entgegenstrecken. So haben diese Gebäude im laufe der Jahre sogar schon mehrere Erdbeben, die auf der Richterskala mit 9 bewertet wurden, überstanden.

Die Maserungen, die den Felsen bestimmen, bringen auch nach den vergangenen Jahrtausenden eine ganz besondere Anmut mit sich. Und trotz der mit der verstreichenden Zeit immer größeren Touristenmenge können wir diesen Ort in uns aufsaugen. Glücklicherweise verteilen sich die Menschen recht gut auf dem riesigen Gelände. Es bleibt zwischen den Foto-Kamelen und den Bedouinen-Verkäufern genügend Raum für Fotos, Zeichnungen und sportliche Betätigungen.

Ein ganz praktisches Problem bleibt aber für mich heute. Egal wohin ich mein Objektiv auch wende, den richtigen Ausschnitt zu treffen fühlt sich unmöglich an. Versuche ich zum Beispiel das Grab einer nabatäischen Königin zu fotografieren und passe nach dem ersten Winkel meine Kamera etwas zur Seite hin an, bemerke ich dass direkt nebenan ein noch viel interessanteres Motiv wartet. Genauso ist es, wenn ich die Kamera in die andere Richtung, nach oben oder unten hin ausrichte. Einige würden sagen, ich hätte das falsche Objektiv gewählt. Aber vermutlich ist es doch eher so, dass es einfach unmöglich ist, einen passenden Bildausschnitt zu wählen. Zu groß ist die Auswahl an einzigartigen Motiven, zu fotogen türmen sich die Berge in alle Windrichtungen hin aus.

So wandern wir, den Mund nicht mehr zu bekommend, durch die Felsenbauten. Wir haben zum Glück schon bei unserer Einreise nach Jordanien für Petra 3 Tage eingeplant und können uns hier also ausreichend Zeit nehmen. Daher werden wir heute auch noch ein paar Stunden die Berge hinauf wandern, denn dort oben finden sich noch viel mehr uralte Panoramen die sicher nur auf uns warten.

Robin

Der Ersteller und Maintainer dieses Blogs. Außerdem scheint er gerne zu jonglieren...

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