So langsam endet unsere Reise in Ägypten und es ist an der Zeit, einen kleinen Rückblick über unsere Erfahrungen im Land der Ägypter zu wagen. Dass es hier so die ein oder andere Sehenswürdigkeit gibt ist vermutlich mittlerweile klar geworden. Dass wir von jedem Tempel erneut begeistert wurden, dass uns so manches Grab den Atem geraubt hat habe ich ja schon in einigen Artikeln erzählt. Aber wie ist eigentlich die Zeit zwischen Tempelruinen, der Suche nach vegetarischen Restaurants und den Taxifahrten?

Ganz zu Beginn unserer Reise wäre die einzige Antwort darauf wahrscheinlich “heiß” gewesen. Bei bis zu 46 Grad im Schatten war ein großer Teil des Tages eigentlich nicht wirklich erlebbar. Selbst mit unserer rituellen Kampfbemalung mit Lichtschutzfaktor 50 und den todschicken Sonnenhüten war ab 12 / 13 Uhr an nicht mehr allzu viel zu denken. Aber glücklicherweise wurde es in den letzten beiden Wochen besser. Bei völlig entspannten 35 Grad konnten wir den ägyptischen Tag noch viel länger nutzen, wenn uns mal ein Swimmingpool entgegensprang war dieser fast schon zu kalt.

Uns war natürlich auch von Anfang an klar das Ägypten ein Land ist, dass einen großen Teil seiner Einnahmen aus der Tourismus-Branche zieht. Immerhin sind 2018 9.4% ALLER Arbeitsplätze in Ägypten dem Tourismus zu verdanken. Deshalb waren wir eigentlich auf übervolle Tempel vorbereitet. Und klar, die gab es auch. Wenn man zu ungünstigen Zeiten in das Tal der Könige, zu den Pyramiden von Gizeh oder zu ähnlich populären Orten ging war es auf jeden Fall schwerer, ein ruhiges Plätzchen zu finden um diese tollen Bauten zu genießen. Aber selbst an den beliebtesten Orten gab es eigentlich immer einen Zeitpunkt, an dem wir fast allein vor Ort waren. Wenn wir früh morgens oder auch Nachmittags zur Visite kamen, konnten wir selbst das berühmte Grab von Sethos I. komplett für uns haben. Gerade dort hatten wir zum Beispiel locker 20 Minuten in völliger Stille, ein unvergessliches Erlebnis zu zweit.

Und wenn wir dann am Ausgang einer Sehenswürdigkeit extra durch den “Touri-Dschungel” von Kleinkram und Mitbringseln geleitet wurden dann war das zwar etwas anstrengend, es zeigte uns aber auch, wie abhängig die Menschen hier vom Tourismus sind. Anders könnte ich mir nicht erklären, weshalb ein und dieselbe, vermutlich aus China importierte, Pyramiden-Imitation gleich in zehn hintereinander liegenden Shops zu finden ist. Die Bevölkerung ist uns, abseits von touristischen Pfaden, auch oft als eher ärmlich begegnet. Überall müssen Kinder bei der Arbeit unterstützen weil ihre Eltern sich die Schule einfach nicht leisten können. Da ist es nur verständlich, dass die Menschen sich an jeden Touristen hängen um von denjenigen, die hier einfach nur zum Zeitvertreib vorbei kommen, noch ein oder zwei Dollar abzuzweigen. Während wir unbeschwert reisen, eine 5-Tage-Woche und die Sicherheit von einem funktionierenden Sozialstaat im Rücken haben gibt es hier diese Gewissheiten nicht. Selbst in wohlhabenderen Familien muss man sich oft zweimal überlegen ob ein Besuch im Krankenhaus das Geld wirklich wert ist. Ob die teure internationale Schule sich auch langfristig bezahlt macht.

Das was in Deutschland mittlerweile oft durch den Staat abgefangen wird, wird in Ägypten meist von der Familie, von Freunden und Bekannten gemacht. So ist eine Familie zu haben hier nicht einfach etwas Schönes, etwas um Geborgenheit und Nähe zu bekommen. Hier ist es schlicht auch eine Frage der sozialen Absicherung, Kinder zu bekommen. Denn wenn nicht genug Geld da ist, um sich eine Rente anzusparen, dann ist letztlich die Familie zur Stelle. Während in Deutschland das Rentensystem greift, so mangelhaft es auch sein mag, ist es hier unabkömmlich, ein soziales Netz zu haben dass die Menschen auch im Alter oder im Krankheitsfall unterstützt. Vom Luxus, keine Kinder zu haben ist man hier noch meistens meilenweit entfernt. (Zu diesem Thema habe ich auch einen unbedingten Lesetipp: Factfulness, von Hans Rosling)

Diese Woche haben wir uns noch mit einem Freund aus Ägypten getroffen. Wir sind gemeinsam lecker auf der Straße essen gegangen und haben uns dann noch eine Felucca gemietet, ein ägyptisches Segelboot. Die meisten Ägypter sind unglaublich offen und kommunikativ unter sich, und wenn es sich sprachlich ergibt auch mit uns. Wenn mal eine Preisdiskussion zu hitzig war liegt man sich kurz darauf direkt wieder in den Armen, es wird viel mehr auch mit Fremden gelacht und gefeixt. Sobald wir in ein Taxi gestiegen sind hat es sich so angefühlt, als ob unser Freund den Taxifahrer schon aus seiner Kindheit kennen würde. Der Verkehr hier ist zwar etwas chaotischer und durch die ständigen Huber auch deutlich lauter, aber trotzdem sind eigentlich alle Autofahrer einander wohlgesonnen. Hier gibt es eigentlich keine unfreundlichen, bösartigen Huper wie sie in Deutschland in brenzligen Situationen zu hören sind. Ein Hupen bedeutet hier z.B. “Geh ruhig vor”, “Überhole”, “Achtung” oder “Hey!”. Aber alles immer mit einem lächeln im Mundwinkel das einem das genervt sein von vornherein verbietet.

Selten wurden wir so oft angelächelt, haben oft auch gute Hilfe komplett ohne Gegenleistung bekommen. Es gibt an den touristischsten Orten immer wieder auch Scammer, die versuchen einen in die irre zu leiten. Bezeichnend ist aber, dass wir bis jetzt immer von Wildfremden Einheimischen kurz vor den Scams gewarnt wurden. Mal von einem Supermarktbesitzer, ein andermal einfach von Passanten. Die Ägypter scheinen auch nicht gerade glücklich über diese Betrüger. Wir haben auch gemerkt, wie viel günstiger es sein kann, wenn ein Einheimischer um den Preis verhandelt. Aber diese vermeintlich überhöhten Preise die wir für alles Zahlen sind letztlich für uns überhaupt kein Problem und auch völlig in Ordnung. Denn wir sind davon nicht abhängig, letztlich schmerzt uns dieses Geld am wenigsten. Bei einigen Händlern geht es da um viel mehr als nur um Lebensqualität.

Wir haben die Zeit in Ägypten sehr genossen. Es war für uns wirklich der perfekte Einstieg in unsere Reise. Das Land ist einfach zu bereisen, es bietet auch neben den historischen Orten unglaublich viel und es macht hungrig auf mehr. Wir hatten auch die Gelegenheit, uns so langsam an das Leben auf Reisen einzugewöhnen, einen passenden Rhythmus zu finden, auch wenn wir hier eine sehr intensive Zeit hatten. Die 4 Wochen des Touristen-Visums sind am Ende doch recht knapp bemessen. Aber es gibt auch noch einige weitere Ort zu entdecken, auf die wir uns jetzt umso mehr freuen.