Neben vom Tourismus überlaufenen Stränden, verblüffend tiefen Pfützen und dem ein oder anderen völlig überteuertem Vegi-Restaurant bietet Yucatan, viele werden es schon wissen, natürlich vor Allem eines, was den charmant kulturbegeisterten Ruinen-Nerds hierher bewegt. Die Überreste einer Hochkultur, die neben ihren hoffnungslos komplizierten Namen und den verkitschten Menschenopferungsfantasien einiger spanischer Konquistadoren nicht zuletzt für ein paar der beeindruckendsten Stein-auf-Stein-Bauten der Welt verantwortlich sind. Die Mayas. Über ganz Yucatan verstreut und auch noch weit über diese Halbinsel hinaus haben sie sich immer wieder dazu herabgelassen mal eine Pyramide, mal einen Palast und mal eine Pyramide auf einem Palast für die Nachwelt zu errichten. Diese galt es natürlich mit gebührendem Interesse und nie erloschenem Entdeckergeist zu erkunden. Also nichts wie los, hineingesprungen ins Collectivo, eingequetscht zwischen Hühnern und Mexikanern, auf zu neuen Ruinen!
Aber wer waren die Maya eigentlich? Was machte ihre Kultur aus? Was aßen sie und wie war ihr Weltbild? Ich weiß, das sind Fragen die du dir als fleißiger Leser dieses Blogs sicher schon oft gefragt hast. Gut, dass du auch dieses Mal auf meine Spam-Email geklickt hast! Die Völkergruppen die man heutzutage aufgrund ihrer vielen kulturellen Gemeinsamkeiten als Maya bezeichnet lebten zwischen ungefähr 200 bis 900 unserer Zeitrechnung. Es gibt zwar auch heute noch Mayanachfahren doch die meisten der bekannten Gebäude wurden ungefähr um die Zeit unseres frühen Mittelalters errichtet. Nur ohne Metallwerkzeuge, Lasttiere und mit der einhelligen Meinung, das Rad sei nicht wirklich praktikabel. Aber da die Maya der Überzeugung waren, der Mensch sei aus Mais erschaffen worden und der Mais auch wie noch heute einen Großteil der Ernährung ausmachte war das herumschleppen von tonnenschweren Steinen sicher keine allzu große Hürde, alles im Namen Quetzalcoatls! Ein weiteres in der Mayaforschung bekanntes Indiz für die übermenschliche Kraft dieses Volkes ist selbstverständlich ihre Namensgebung, denn wer wäre heute ernsthaft noch in der Lage Namen wie Yikʼin Chan Kʼawiil, Ucha'an K'an B'alam oder Tuun K'ab' Hix während einem hitzigen Ballspiel über das halbe Feld zu rufen.
Bei den Maya’s gab es ähnlich wie im antiken Griechenland keinen zentralen Herrscher sondern eher als Stadtstaaten organisierte Gemeinden die miteinander handelten, sich gegenseitig auch mal bekriegten oder den ein oder anderen Pyramidenbaustil kopierten. Gemeinsam hatten alle Städte in Guatemala, Belize und Mexiko, dass sie einen hochentwickelten Kalender, einen vergleichbaren Götterpantheon und eben schon erwähntes Ballspiel genießen konnten. Als die Spanier mit ihrem Vorsatz der Missionierung nach Mesoamerika kamen stießen sie zwar nicht mehr auf die großen Hochkulturen und gigantischen Städte wie sie in Yucatan noch ein paar hundert Jahre zuvor üblich waren, dennoch gab es noch immer eine große kulturelle Community mit eigenen Bräuchen, einem ausgeprägten Handelssystem und einem fortschrittlichen Schriftsystem. Leider fand Hernan Cortez keinerlei christliches Gedankengut in den riesigen Bibliotheken der Mayas und sorgte so innerhalb weniger Jahre für die völlige Vernichtung sämtlicher literarischer Dokumente. Mal abgesehen von vier(!!) Codices (alte, gebundene Bücher) und den über die unentdeckt gebliebenen Ruinen verteilten Stelen die sie schlicht nicht als Schriftdokumente anerkannten. Daher ist es heute denkbar schwer, gesicherte Fakten über die Mayakultur, ihre Weltbilder und ihr alltägliches Leben zu erheben, und das obwohl ihre Schrift im 19 Jahrhundert entschlüsselt werden konnte.











