Überall um uns herum laufen Menschen. Gerüche strömen auf uns herab, laute, drängende Huper schrecken uns aus unserer Tagträumerei und ein Motorrad rauscht durch die enge Gasse. Vorbei am Markt, am Lassi-Stand mit frischem Joghurt aus Einmal-Keramikbechern, unter lichtdurchfluteten Planen hindurch und immer wieder nach links und rechts zuckend, einem Tempel, einer Kuh, einem Hund oder einem Trauerzug ausweichend. Nach wenigen Sekunden ist der Fahrer auch schon wieder aus dem Sichtfeld, unsere Köpfe wieder damit beschäftigt die Masse an Eindrücken und Bildern zu verarbeiten. Ja, das ist Indien. Ja, wir sind in Indien. Ja, so stellt man sich Indien vor. Laut, intensiv, lecker, voll voller Ideen, Farben, Erfahrungen und Geräuschen.
Schon hupt der nächste Motorradrabauke hinter uns, will vorbei und versucht sein Glück in der kurz aufklaffenden Lücke zwischen Kuh und dem alten, bärtigen Mann mit Bettelbüchse. Geplättet von den Eindrücken und der Nachtzugfahrt aus Kalkutta stehen wir etwas verloren in dieser engen Gasse von Varanasi. DEM Varanasi, dem heiligen Ort des Hinduismus, dem Zentrum aller Indien-Dokus und dem Pilgerort für so viele Hindus aus der ganzen Welt. Varanasi ist eine der am längsten durchgängig bewohnten Städte der Welt, schon vor tausenden Jahren wurden hier vermutlich Leichname verbrannt, wurden Tempel errichtet und zweifelhafte Bäder in noch zweifelhafteren Hygienebedingungen im Ganges genommen. Menschen kommen hier her um zu sterben, denn wer hier stirbt hat wohl eine höhere Chance dem ewigen Kreislauf von Tod und Reinkarnation zu entkommen. Menschen kommen aber auch hier her um Indien zu erleben, um zu beten, um zu baden oder, wie in unserem Fall, um sich komplett von Indien überwältigen zu lassen. Schon nach wenigen Minuten glich unsere Tour durch die enge Altstadt Varanasis einem Traum. Ich bin mir im Nachhinein auch nicht mehr sicher was ich wirklich alles gesehen habe, so stark, so übertrieben und so schnell kam Varanasi auf mich zu. Meine Augen finden einfach keine Ruhe, streifen über die bettelnden Kinder, über die religiösen Rituale und unzähligen Tempelchen am Wegesrand, verweilen hungrig an einem Straßenstand in dem irgendetwas vegetarisches neben einem verlockend riechendem Curry serviert wird. Sie versuchen gleichzeitig die Überflut an Menschen zu verstehen, den Verkehr in Schach zu halten, Maren nicht zu verlieren, Straßenkunst zu begutachten und den Weg zum Ufer zu finden. Es ist einfach eine völlige Reizüberflutung die mich da trifft, haben wir uns mit Indien und Varanasi vielleicht doch ein bisschen zu viel vorgenommen? Wo ist der ruhige Strand Thailands hin? Was ist mit den friedlichen Tiefen des Meeres? Was mache ich hier, das ist einfach VIEL ZU LAUT!














