Kathmandu, hast du den richtigen Schuh?

Nepal ·   ·  4 min zu lesen

Die Hauptstadt Nepals ist in vielerlei Hinsicht eine außergewöhnliche Stadt. Gelegen auf 1500 Metern Höhe sind hier, im Gegensatz zu unseren bisherigen Orten, „The North Face“ Jacken und warme Handschuhe zumindest nachts Pflicht. Es kann Nachts durchaus kalt werden, bot uns so aber auch eine angenehme Abwechslung zu den ansonsten sehr warmen Nächten in Indien, Jordanien oder Ägypten.

Besonders schön ist in dieser Berg-Metropole mit über einer Millionen Einwohnern die Vermischung der indischen und chinesischen Kultur zu ihrer nepalesischen Hochform. Überall in der Stadt finden sich Überreste alter Bausubstanz. Mal sind es bis ins kleinste Detail verzierte Türeingänge oder Fensterstürze, mal mitten in den trubeligen Straßengewirr versteckte hinduistische Pagodentempel(chen). An nahezu jeder Straßenkreuzung sind religiöse Gebäude zu finden. Allerdings gilt es in den engen Straßen auch vorsichtig zu sein. Zu jedem Zeitpunkt rauschen rasante Rollerfahrer rücksichtslos rundherum. Und wenn es keine Roller sind dann vielleicht eine der vielen Fahrrad-Rikschas oder ein viel zu voll bepackter Träger. Im Vergleich zu Indien sind hier viel mehr Menschen nichtmotorisiert unterwegs und schleppen so oft tagelang die schwersten Pakete an ihrer Stirn befestigt durch die Stadt.

Neben den Einheimischen gibt es hier aber auch eine unverhältnismäßig große Anzahl an internationalen Touristen die versuchen, sich durch die wunderschöne Stadt zu schlängeln. Wir haben hier auch erstmals mit einem neuen Problem zu kämpfen. Wo anderswo deutsche Touristen eigentlich unverkennbar mit Funktionshose und Deuter-Rucksack auszumachen sind scheint dieser Style in Kathmandu auf eigentlich jeden Touristen abgefärbt zu haben. Zu sehr gilt Kathmandu als Dreh- und Angelpunkt für jede Art des Trekking-Urlaubs. Du willst zum Mount Everest? Komm erstmal in Kathmandu an! Du willst Berge und Hänge über mehrere Tage hinweg erklimmen und dich dabei zu Tode frieren? Friere doch erstmal in Kathmandu!

Und die Stadt hat sich, zumindest in manchen Gebieten auch komplett auf diese Art des Tourismus eingestellt. Läuft man in Thamel an den Geschäften vorbei findet man zu 90% Outdoor-Shops aneinandergereiht. Hier gibt es wirklich alles für den Globetrotter-Liebhaber, und das zu einem Bruchteil des Preises. Wir könnten „The North Face“ ( die anscheinend beliebteste Marke hier) Jacken für 10€ kaufen, Wanderschuhe ab 30, „Daunen“-Schlafsäcke ab 15€ und auch sonst alles was das Wanderherz sich nur so vorstellen kann. Und das durch-die-Läden-streifen macht auch wirklich Spaß! Da bleibt man manchmal 10 Minuten vor einem Vollkörper-Anzug staunend stehen, der es ermöglicht zu simulieren, wie es wäre wenn man das doppelte Körper-Volumen hätte.

Während ich mir also vorstelle wie es wäre, in diesem umständlichen aber sicher ägyptisch-warmen Anzug den Mount Everest zu erklimmen taucht Maren schon in eine wahre Fundgrube von Fake-Waren ein. Sie hatte einen „Shop“ gefunden der eigentlich nur aus mehreren Etagen von übereinander gehäuften Klamotten bestand. Auf den meterhohen North Face-Bergen stehen dann die Verkäufer, fragen wonach die Kunden suchen und schleudern dann das passende Stück den Berg herunter. Selten waren wir dem Traum so Nahe, wie Dagobert Duck in Geld (oder eben Outdoor-Klamotten als besserer Währungsersatz) zu schwimmen. Ich will auch gar nicht wissen wie viele Kinder jedes Jahr in einem dieser Berge verschwinden nur um dann Monate später als Yeti im Himalaya gesichtet zu werden.

Neben den Outdoor-Geschäften bietet Kathmandu aber auch noch zahllose andere sehenswerte Orte. Da gibt es zum Beispiel die bezaubernde Altstadt am Durbar Square. Sie zeigt, leider teilweise noch nach dem schwersten Erdbeben in Restauration befindliche Pagodenbauten aus allen möglichen Epochen. Die Nepalesen, übrigens die Erfinder dieses Baustils, haben hier einst ein Zentrum voller religiöser und majestätischer Pracht erbaut. Besonders schön ist auch, dass die Holzbauten auch heutzutage noch intensiv religiös genutzt werden. Auch hier finden sich viele hinduistische Statuen denen aufwändig zubereitete Festmahle geopfert werden. Von Weihrauch und Kerzenrauch umhüllt werden dann die Gläubigen durch passende Priester gesalbt. Ein Erlebnis, das wir stundenlang beobachten konnten. Zu spannend war das Treiben des religiösen Platzes.

Da Nepal zu ungefähr 50% aus Hindus und zu 50% aus Buddhisten zusammengesetzt ist finden sich auch viele Tempel die beide Religionen in sich vereinen. Da stehen dann Buddha-Abbildungen direkt neben oder über hinduistischen Gottheiten, laufen orange gekleidete Mönche neben hinduistischen Pilgern. Das alles scheint eine friedliche Koexistenz zu sein.

Ich könnte hier noch so viele weitere Details beschreiben die Kathmandu zu einer einzigartigen Metropole machen, aber davon berichten wir vielleicht später noch mehr. Wir werden nach unserer eigenen Trekking-Tour ins Hochgebirge mit Sicherheit wieder zurück in diese zauberhafte Stadt kommen. Aber jetzt gilt es erstmal, selbst gen Himmel zu steigen. Sonst benötigen wir am Ende doch noch diese abenteuerliche Vollkörper-North-Face-Heizung in knallgelb um dem drohenden Wintereinbruch zu trotzen. Bis bald!

Robin

Der Ersteller und Maintainer dieses Blogs. Außerdem scheint er gerne zu jonglieren...

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