Neben den Einheimischen gibt es hier aber auch eine unverhältnismäßig große Anzahl an internationalen Touristen die versuchen, sich durch die wunderschöne Stadt zu schlängeln. Wir haben hier auch erstmals mit einem neuen Problem zu kämpfen. Wo anderswo deutsche Touristen eigentlich unverkennbar mit Funktionshose und Deuter-Rucksack auszumachen sind scheint dieser Style in Kathmandu auf eigentlich jeden Touristen abgefärbt zu haben. Zu sehr gilt Kathmandu als Dreh- und Angelpunkt für jede Art des Trekking-Urlaubs. Du willst zum Mount Everest? Komm erstmal in Kathmandu an! Du willst Berge und Hänge über mehrere Tage hinweg erklimmen und dich dabei zu Tode frieren? Friere doch erstmal in Kathmandu!
Und die Stadt hat sich, zumindest in manchen Gebieten auch komplett auf diese Art des Tourismus eingestellt. Läuft man in Thamel an den Geschäften vorbei findet man zu 90% Outdoor-Shops aneinandergereiht. Hier gibt es wirklich alles für den Globetrotter-Liebhaber, und das zu einem Bruchteil des Preises. Wir könnten „The North Face“ ( die anscheinend beliebteste Marke hier) Jacken für 10€ kaufen, Wanderschuhe ab 30, „Daunen“-Schlafsäcke ab 15€ und auch sonst alles was das Wanderherz sich nur so vorstellen kann. Und das durch-die-Läden-streifen macht auch wirklich Spaß! Da bleibt man manchmal 10 Minuten vor einem Vollkörper-Anzug staunend stehen, der es ermöglicht zu simulieren, wie es wäre wenn man das doppelte Körper-Volumen hätte.
Während ich mir also vorstelle wie es wäre, in diesem umständlichen aber sicher ägyptisch-warmen Anzug den Mount Everest zu erklimmen taucht Maren schon in eine wahre Fundgrube von Fake-Waren ein. Sie hatte einen „Shop“ gefunden der eigentlich nur aus mehreren Etagen von übereinander gehäuften Klamotten bestand. Auf den meterhohen North Face-Bergen stehen dann die Verkäufer, fragen wonach die Kunden suchen und schleudern dann das passende Stück den Berg herunter. Selten waren wir dem Traum so Nahe, wie Dagobert Duck in Geld (oder eben Outdoor-Klamotten als besserer Währungsersatz) zu schwimmen. Ich will auch gar nicht wissen wie viele Kinder jedes Jahr in einem dieser Berge verschwinden nur um dann Monate später als Yeti im Himalaya gesichtet zu werden.
Neben den Outdoor-Geschäften bietet Kathmandu aber auch noch zahllose andere sehenswerte Orte. Da gibt es zum Beispiel die bezaubernde Altstadt am Durbar Square. Sie zeigt, leider teilweise noch nach dem schwersten Erdbeben in Restauration befindliche Pagodenbauten aus allen möglichen Epochen. Die Nepalesen, übrigens die Erfinder dieses Baustils, haben hier einst ein Zentrum voller religiöser und majestätischer Pracht erbaut. Besonders schön ist auch, dass die Holzbauten auch heutzutage noch intensiv religiös genutzt werden. Auch hier finden sich viele hinduistische Statuen denen aufwändig zubereitete Festmahle geopfert werden. Von Weihrauch und Kerzenrauch umhüllt werden dann die Gläubigen durch passende Priester gesalbt. Ein Erlebnis, das wir stundenlang beobachten konnten. Zu spannend war das Treiben des religiösen Platzes.