Im Januar wird in Vietnam das neue Mondkalenderjahr gefeiert. Wir haben uns zu diesem Zweck überlegt wo wir das erleben wollten und sind dann nach Hoi An gefahren, einer recht touristischen aber auch wunderschön gemütlichen Stadt mitten in Vietnam. Hoi An ist durch seine gut erhaltene Altstadt und viele buddhistische Tempelanlagen ein Magnet für Besucher zu jeder Jahreszeit, an Tet, den Neujahrsferien, nimmt das aber nochmal ganz andere Ausmaße an.
Als wir am Nachmittag nach einer langen Nachtzugfahrt erschöpft ankamen machten wir uns noch schnell frisch und gingen dann direkt ins Stadtzentrum. Überall waren Lampions, kleine Altäre und glückliche Vietnamesen positioniert die jedem vorbeigehenden fröhlich lächelnd ein „Happy new Year“ zuriefen. An Tet scheint das ganze Land im Glücksrausch, das ist aber auch nicht weiter verwunderlich denn jeder hat zu den Feiertagen ein bis zwei Wochen Urlaub. Zwischen die bunten Lampen mischen sich alle paar Meter auch kommunistische Hammer und Sichel-Symboliken, rot scheint überall die dominierende Farbe.
Über den Abend hinweg besuchten wir eine kleine Drachen Show bei der das spannendste vermutlich die Parteikader waren, die erst kurz vor Beginn ankamen und dann sich selbst mit ihren kalten Anzügen direkt in erster Reihe vor den sitzenden Kindern platzierten. Die Kinder störte das aber irgendwie kaum, die waren viel zu sehr damit beschäftigt zwischen den Beinen der Politiker hindurch die wild herumzappelnden „Drachen“ zu beobachten. Die Eltern wiederum hatten nur noch Augen für die Hacken der Lederschuhe die den zarten Kinderhänden immer näher kamen, die Politiker anzusprechen wäre aber kaum möglich gewesen. Wir nahmen auch an einem vietnamesischen Bingo-Spiel teil. Jede Gruppe die mitmachen wollte konnte sich ein Holzblättchen mit 3 Songtiteln kaufen und hat dann auf einem hölzernen Turm Platz genommen. Das Spiel ging dann wie folgend: Ein Sänger-Duett fing an, unserem Geschmack nach eher wild-schräge, vietnamesische Volkslieder vorzutragen. Parallel wurde ab und zu ein gut erkennbares Muster als Erkennungsmerkmal des gerade gesungenen Songs hochgehalten. Die Glücklichen, die das Muster auf ihrer eigenen Karte hatten, wedelten wild mit dem Blatt herum und bekamen als Dank eine gelbe Fahne. Wer zuerst 3 Fahnen hat gewinnt. Nach der dritten Spielrunde verstanden wir zwar endlich die Regeln, hatten aber schon die Ohren voll von der Musik und machten uns von Dannen.
Während der Tet-Feierlichkeiten ist in Vietnam alles besonders schön geschmückt. Vor jedem Hauseingang steht ein kleiner Mandarinen Baum der wie seine weihnachtlichen Verwandten von oben bis unten mit Lichterketten oder anderen Gegenständen behängt ist. Es gibt für jeden Gast oder Freund leckere Süßigkeiten wie gezuckerte Ingwer-Stückchen oder Kurkuma-Bonbons. Und wenn man jung ist hat man gute Chancen auf “Lucky Money”, also in rote Papierumschläge verpacktes Kleingeld. Die meisten kleinen Kinder wissen oft noch gar nicht was sie mit dem Geld machen sollen dass ihnen selbst jeder Fremde unterwegs zusteckt.









