Ein Reisebericht über unsere Taten und Ereignisse im Namen der europäisch-spanischen Flagge. Auszuhändigen an den König zu Kastilien, León, Aragon und beider Sizilien.

Als euren Gesandten schicktet Ihr uns, mit schicken Rückentaschen bestücket, unsere Nasen gen Westen zu richten. Alsbald uns die Kunde dieser wunderbaren, niemals in Frage zu stellenden Beauftragung erreichte taten wir unser Bestes, das zwar so klar in einer Himmelsrichtung benannte, dennoch aber recht unklar zu erreichende Ziel zu ersuchen. Nun, seit ein paar Tage ins Land gezogen sind, schicken wir uns an, Ihnen, unserem ans Herz gewonnenen Herrscher, Bericht zu erteilen. Auch wenn unsere Reise nun noch nicht einmal aus den Kinderschuhen herausgewachsen sein mag hat sie uns doch schon in die Lage versetzt von so einigen wundersamen Begebenheiten zu erzählen. Wir sahen Flugdrachen und jene Feuerwürmer, die sich ihre Flügel vielleicht schon selbst abgefressen haben mögen. Wir kämpften mit gestreiften Taugenichtsen und gegen die aufbrausende Mutter Natur. Doch lassen Sie uns von Vorne beginnen.

Tag 0
Ja, Ihr lest richtig, mein Herr. Unser Bericht über die Reise in das sagenhafte Land der Mexica (=Azteken) kann, nein, muss mit der Null beginnen. Nicht nur war schon vor unserem ersten Tage im wilden Westen wahrlich Wunderhaftes geschehen. Nein, allein der Anstand und der Respekt gegenüber einer der ersten Kulturen die überhaupt diesen seltsamen Zahlenwert erfanden, das taten neben den Maya nämlich nur die arabischen Zahlensysteme, bringt uns zu diesem so passenden Zähler. Außerdem wird es wohl kaum einen nullten Tag auf unserer Reise geben, der länger war als den ersten, ach Vergeben Sie mir, dem Nullten. Rückblickend betrachtet würde ich gerne, wenn es mir denn erlaubt ist, Euch, mein König, noch einmal um die Sinnhaftigkeit eines 6-Uhr Fluges ersuchen. Ist es denn nicht Qual genug, eine solch lange Reise überhaupt auf sich zu nehmen. Muss denn diese frühe Stunde, die nebenbei erwähnt wirklich eine schreckliche Flughafennacht unabdingbar macht, wirklich sein? Ihr hattet sicher einen guten Grund uns auch dieser Marter zu unterziehen, wenn man bedenkt dass wir mitsamt der sich ergebenden Zeitumstellung denn nun gute 30 Stunden unterwegs waren. Ein paar Euros mehr wären hier aber sicher nicht unangebracht gewesen, so viel Kritik sei uns hoffentlich erlaubt. Wir erreichten also völlig übermüdet Cancun und fanden letztlich nach einer kurzen Busfahrt unsere (Nicht-)Ruhe mitten im Partyviertel Playa del Carmens, einer wirklich charakterlosen Stadt an der Küste des Atlanten.

Tag 1
Kaum ausgeruht und in völlig verwirrter Jetlag-Manier machten wir uns sodann am nächsten Morgen auf den Weg zum königlichen Hafen. Doch bevor wir diesen erreichten wurden wir von einer Tortilleria, einer örtlichen Tortilla-Manufaktur abgepasst und waren so “gezwungen” unsere hungrigen Mägen mit den ersten frischen Mais-Tortillas zu füllen. Eine Angelegenheit, für die es sich natürlich schon selbst gelohnt hätte, diese lange Reise auf sich zu nehmen. Ihr gabt uns den Auftrag auch die lokale Küche zu erkundschaften und nichts lieber würden wir tun, als uns hier jeden Tag durch Tacos, Tortillas, Burritos und weitere Köstlichkeiten zu welzen. Doch so sehr wir das auch zu genießen wussten, so sehr sind wir auch unserer Verantwortung bewusst, die örtliche Flora und Fauna weiter zu erkunden. Am Hafen angekommen mussten wir dann schmerzlichst erfahren, dass der japanische Harakiri, der göttliche Wind (wir berichteten) auch schon vor uns in Mexiko angekommen war. Wir waren außerstande unsere gebuchte Fähre zu nutzen und wichen kurzerhand leichtsinnig auf den nebenan ankernden Katamaran aus. Ein Fehler, der uns aber erst bewusst wurde, als die vielköpfige Besatzung kurz nach Ankerlichtung lachend anfing, Plastiktüte um Plastiktüte von einer nicht enden wollenden Rolle voll Plastiktüten abzureißen. Nach schon wenigen Metern der Fahrt wurde uns sogleich bewusst, zu welchem Zwecke ebenjene zahllosen Plastiktüten denn gerissen wurden. Die See, der Geruch und unser Kapitän hatten sich wohl nichts mehr in den Kopf gesetzt, als möglichst viele der Plastiktüten bis zum Anleger zu füllen, oder füllen zu lassen wie uns klar wurde. Doch gestählt von vorherigen Seeabenteuern und einer guten Portion Vomex, gelang es uns, diesem widerlichen Ansinnen Einhalt zu gebieten und zwar mit wackeligen Beinen, aber zumindest hoch erhobenen Hauptes das Schiff zu verlassen. Alles im Namen der Krone! Stolz wie ein Pelikan, aber Nass wie ein Seehund wanderten wir nun zu unserer Unterkunft. Es mag im ersten Moment etwas vermessen klingen, euer Durchlauchtest, aber vielleicht wäre auch hier noch ein kritisches Wort zur Reiseplanung anzubringen. Sicher, eine Reise ist teuer, aber wäre es wirklich nötig gewesen, uns diese 2-3 Kilometer vom Hafen mit vollem Gepäck, von der Überwasserung geplättet und in nun tropisch heiß-feuchtem Klima laufen zu lassen? Sicher hattet Ihr gute Gründe für diese Marter, aber vielleicht wäre ein einfaches Taxi eine gute Alternative gewesen?

Tag 2-6
Angekommen auf der Isla Cozumel, jener Insel, auf der auch euer damaliger Conquistador Hernán Cortés seine ersten Schritte machte, lief dann aber alles wie geplant. Wir erfüllten euren Auftrag der Erkundung und evaluierten gleichzeitig, wie viel Zeit es benötigt, bis zwei eingefleischte Reisenden ein wenig zur Ruhe kommen mögen. Wir erforschten unter Lebensgefahr die tropischen Gewässer, entdeckten hierbei gleich mehrere gigantische Flugdrachen, die sich aber dazu entschieden hatten im Wasser zu leben und hielten hierbei gebührenden Abstand von den tödlich stacheligen Schwänzen der bis zu 3 Meter langen Geschöpfe. Stachelrochen tauften wir sie kurzerhand. Den zweiten Teil dieser Bezeichnung entnahmen wir dem königlichen “Roja” (=rot) seiner Majestät während der erste Wortstamm eher profaneren Beobachtungen abgeleitet wurde. An so einigen Straßenecken warteten noch viel stachligere Drachengeschöpfe auf uns, wahrliche Erd-Echsen von nur selten gesehenem Ausmaße. Mit buddhistischer Geduld beobachteten sie uns argwöhnisch wie wir uns vorsichtig an sie heranschlichen nur um nach wenigen Metern zu bemerken, das jede Vorsicht vergebens war denn nach nur einem Zentimeter zu nah waren sie wieder im düsteren Dickicht des dichten Daches dropischen Regenwaldes entwichen. Neben diesen Beobachtungen scheinen die weiteren Sichtungen von müden “Cocodrilitos” (Krokodilen), gierigen Geiern und pompösen Pelikanen fast keiner Erwähnung wert. Einen letzten Hinterhalt mussten wir dann aber doch noch überstehen. Arglos die Natur entdeckend schnorchelten wir eines schönen Tages im weiten Blau des Ozeans. Als wir nach einigen Minuten intensivster Schnorchelei wieder festen Boden unter den Füßen verspürten waren wir mit einem buchstäblich grauenhaften Tatort konfrontiert. Unsere Habseligkeiten waren vollkommen über den sandigen Strand verteilt und aufs Übelste mit grauenhaften Flecken beschmutzt. Es brauchte nicht lange um herauszufinden, das wir Opfer eines Einheimischen waren, der sein Unwesen wohl schon seit längerem auf jenem Strand tätigte. Wir sahen ihn noch um die Ecke huschen, eine unserer kostbaren Avocados im Mund, nur um dann in aller Seelenruhe in sicherer Höhe über uns die Ergebnisse seines Streifzuges zu genießen. Ein Procyon pygmaeus, ein “Cozumel-Waschbär” hatte unsere Taschen durchwühlt und mit seiner Avocado-Schnauze jede Anstrengung versucht, uns zu hungrigen Reisenden zu degradieren.

Ihr seht, hochverehrter König, wir haben so einige Strapazen und Abenteuer während unseren ersten Tagen in Mexiko erfahren. Wir können nur hoffen, dass Ihr mit unserem ersten Bericht soweit einverstanden seit und werden wohl auch die nächsten Tage mit dem Versuch vollbringen, ein wenig Entspannung zu erhaschen. Zu diesem Zwecke haben wir nach ein paar Nächten die Isla Cozumel gen Süden wieder verlassen, dieses Mal bei sonnigsten Bedingungen und frohen Mutes.

Seit gegrüßt!
Eure Reiselitos