Es Wanderson packt aus

Indien ·   ·  7 min zu lesen

Heute kommt uns ein Gast besuchen, der in der Filmwelt hochgerühmt wird ob seiner tollen Farbkompositionen, interessanten Kameraführungen und ulkigen Geschichten. Ich habe mit Es Wanderson gesprochen und ihn nach seinen Inspirationen befragt. Wie entstehen solch geniale Farbstimmungen wie die in seinem bekannten Film “Das Bukarest Hotel”? Woher nimmt ein so genialer Kopf seine Ideen und vor Allem: Wie können auch meine Leser von ihm profitieren?

Getroffen habe ich Es in einer kleinen Hotelbar in Budapest, wir sind zusammen eine Bergbahn hoch ins Hotel gefahren und schon auf der Fahrt sprudelte die Gedankenwelt Wandersons aus seinen Augen:

Journalist: “Es, wie geht es Ihnen heute? Haben Sie schon eine Idee für Ihren nächsten Film?”

Wanderson: “Guten Morgen, Brad. Mir geht es mal wieder fabelhaft. Ich bin heute frisch aus dem Bett gesprungen, habe eine Runde auf einem Bein meditiert und mir dann gleich drei neue Filmkonzepte überlegt. Ich sag nur: ‘Bukarest Hotel 2, 3 und vier!’ “

Journalist: “Wow, das klingt ja mal wieder spannend. Da haben Sie sich wieder was tolles durch den Kopf gehen lassen!”

Wanderson: “Ja, das stimmt”

Journalist: “Unsere Leser interessiert besonders wie Sie auf Ihre Ideen und Charaktere kommen, woher kommen zum Beispiel das Bukarest Hotel?”

Wanderson: “Nun, eigentlich ist das ein Geheimnis, denn, wenn ich Ihnen das jetzt verrate, dann merken Sie erst wie einfach das ist. Aber ich will mal nicht so sein… Ich habe heute meinen Gönnjamin-Tag wie die jungen Leute so sagen.”

Journalist: “Das klingt gut, schießen Sie los!”

Wanderson: “Um genau zu sein hat das ganze in Jaipur angefangen, in Indien. Das ist eine Stadt, wenn ich es Ihnen nicht sagen würde dass es die schon länger gibt, Sie würden mir glauben sie entspränge aus einem meiner Filme! Alle Häuser in der Innenstadt sind in meinen Farben gemalt, viel ist rosa, gelb und weiß. Da gibt es zum Beispiel den Palast der Winde. Das ist im Prinzip eine Fassade die nur aus schnuckeligen, rosa-weißen Fenstern und Balkonen besteht. Da sind dann in jedem Fenster kleine Holztürchen eingefasst, es gibt süße bunte Bemalungen an jeder Ecke und die Spitzbögen sind ehrlich gesagt genau die gleichen wie im Bukarest Hotel. Das habe ich einfach sang und klanglos so übernommen, hat sich einfach angeboten. Da hat mich damals direkt die Inspiration gepackt, an den Haaren gezogen und mir gesagt: ‘Es, du übernimmst das jetzt einfach in deinen Film, das wird schon niemand merken. Mach das, und du wirst berühmt!’. Naja, was soll man da dann noch dagegen sagen, nicht wahr?”

Journalist: “Wow, ja genau Es. Was soll man da dagegen sagen!”

Wanderson: “Eben. Das lustige ist, direkt nebenan gab es noch sowas Kurioses. Da gibt es einen Park voller übertrieben großer Sonnenuhren. Das ist so eine lustige Sache, da kommt man doch im Leben nicht selbst drauf, oder?”

Journalist: “Im Leben nicht!”

Wanderson: “Das war natürlich eine rhetorische Frage… Naja, das mit den Sonnenuhren konnte ich zwar noch nicht im Bukarest Hotel einbauen, aber das kommt direkt in die nächste Komödie, das sag ich dir!”

Mittlerweile waren wir oben im Hotel angekommen und ein Portier öffnete uns mit einem schnellen Schwung die Tür. Mir schwirrten die Fragen nur so im Kopf herum, so aufregend war es, mit dieser Filmlegende ein Interview führen zu dürfen. Aber eine Frage hatte ich schon von Beginn an, die konnte ich nicht mehr ignorieren.

Journalist: “Es, das klingt ja fabelhaft. Aber verrate mir, wie kamst du auf diese skurrilen Charaktere? Die Kleidung? Die Turbane?”

Wanderson: “Ach Brad, das war ja erst der Anfang in Jaipur. Sicher, wenn ich dir das jetzt so direkt erzähle wirkt es vielleicht zu offensichtlich. Aber im Offensichtlichen liegt ja bekanntlich das Krokodil vergraben, nicht wahr?”

Journalist: “Haha, ja. Das Krokodil?!”

Wanderson: “Genau. Ein besonders beliebtes Ziel in Jaipur ist der sogenannte City Palace. Der Stadtpalast, oder wie wir sagen würden: Das Rathäusle. Im Prinzip habe ich alles eins zu eins von dort kopiert. Dort gibt es an jeder Ecke und hinter jedem Tor diese tollen Wachen, die haben Turbane auf, lange Bärte und stehen immer mit ein paar Speeren bewaffnet stolz herum. Das ist wirklich das Ideale Vorbild für alle Bediensteten im Bukarest. Und du glaubst nicht, wie cool die Architektur dort ist. Da ist alles im selben Farbschema, so ein rosa-rotes gelb und dann im perfekten Kontrast die Blauen Wachen. Man kann sich ja im Vorhinein viele Gedanken zu seinen Filmen machen. Wie stelle ich sicher, dass die richtige Stimmung aufkommt. Wie entsteht Humor? Was ist eigentlich Farbe? All das habe ich im City Palace gelernt und seitdem mache ich nur noch Kopien von Jaipur. Das ist mein ganzes Geheimnis.

Journalist: “Das ist echt inspirierend. Im Grunde muss man einfach nur die Welt an der richtigen Stelle kopieren. Ist es das, was du unseren Lesern damit sagen willst?”

Wanderson: “Im Grund kann man das schon so zusammenfassen. Meine Mutter sagte immer: Bist du am richtigen Ort, kommt Story und Wort. Am Ende ist es genau das. Du reist herum, hast die Zeit deines Lebens und dann stolperst du einmal über so einen Palast wie den in Jaipur und schon bist du in Null Komma Nix berühmt. Das Beste ist, jetzt, wo ich diesen Claim auf das Farbschema schon habe, wo ich berühmt bin, kann da ja niemand mehr diesen Ort kopieren. Denn der würde zerrissen werden von der Kritik, eine billige Kopie von mir zu versuchen. Ich würde sagen, ich hab’s geschafft.”

Journalist: “Ja, sicher. Das kann man wohl sagen.”

Wanderson: “Klar, da habe ich direkt einen weiteren Einfall. In Jaipur gibt es auch eine ganze Reihe interessanter Forts. Man merkt schon auf dem Weg dorthin, dass da gleich was spannendes kommt. Denn wenn die Dichte an Schlangenbeschwörern und Elefantenreitern steigt dann weiß ein schlauer Kopf: Jetzt wird’s spannend. Eine Szene ist mir besonders im Kopf geblieben. Da gibt es eine riesige Kanone mitten auf einem Fort, so ein Monsterteil. Quasi in Stahl gegossene Mordlust. Das lustige ist, die Leute kommen da hin, laufen den ganze heißen Weg hoch zur Burg nur um dann dort ein Selfie zu machen. Ein Selfie mit einem Mordwerkzeug, stell dir das Mal vor! Direkt nebenan gibt es ein Fort, in dem gibt es einen Raum, nicht viel größer als mein gemütlicher Jacuzzi auf dem Mount Everest. Das Besondere ist, oder zumindest verkaufen das die Touristenguides dort so, dass es dort ein paar Kuhlen in den Wänden gibt in die man reinsprechen kann. Wenn man das macht, dann soll man am anderen Ende des Raumes das auch noch hören können, wie mit einem Schnurtelefon. Du glaubst nicht wie absurd das ist, wenn dann plötzlich 5 Besucher gleichzeitig überlegen eine möglichst philosophische Nachricht an den 3 Meter entfernten Freund zu übermitteln. Sowas kann man sich ja nicht ausdenken, diese Ironie, diesen Humor bekommen auch wirklich nur die Menschen selbst hin. Einfach fantastisch.”

Journalist: “Fantastisch!!! Danke für diesen tiefen Einblick in einen so vielseitigen, kreativen Kopf! Du bist wirklich genial! Hast du noch ein paar letzte Worte an unsere Leser, vielleicht irgendwas frisches um die Inspiration anzufachen?”

Wanderson: “Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt”*

Journalist: “Wow, Wow, Wow!”

Füße küssend verabschiede ich mich voller Ehrfurcht von diesem genialen Schöpfer unserer Zeitgeschichte. Schon wieder habe ich etwas Neues gelernt, schon wieder tolle Dinge erfahren. Ich schaue auf meine Uhr, sehe wie die Zeit so schnell vergangen ist und frage mich, wie viele Filmideen Wanderson jetzt schon wieder hatte. Es ist einfach toll, so einem kreativem Kopf zu begegnen. Wenn du, werte Leserin, noch ein paar Fragen zu diesem Mann hast oder einfach so eine neue Filmidee benötigst, dann schreib doch einfach mal in unserem Kontaktformular deine Fragen auf. Wenn es eine Gute ist, werde ich sie an Wanderson weiterleiten und wenn der einen guten Tag hat wer weiß? Vielleicht kommt ja sogar eine Antwort. Bis zum nächsten Mal!

Es hat sich im Nachhinein durch fleißige Online-Recherche herausgestellt, dass dieses Zitat im Original nicht von Es Wanderson ist, sondern vielmehr von Albert Einstein. Wie genial ist dieser Mann eigentlich, so was zu sagen? Einfach toll!

P.S. Eine weitere Inspiration Es Wanderson ist der Film von seinem Filmkollegen Wes Anderson: “Das Budapest Hotel”. Ein lustiger Film mit skurrilen Charakteren, ich hoffe er hat da nichts aus Jaipur kopiert!

Robin

Der Ersteller und Maintainer dieses Blogs. Außerdem scheint er gerne zu jonglieren...

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