Eine buddhistische Puja

Nepal ·   ·  4 min zu lesen

Wie ist es, wenn buddhistische Mönche beten, wenn sie Buddha mit ihren Mantras Ehren und sich Zeit nehmen, religiöse Reinheit zu erlangen? Wir haben mal wieder ein buddhistisches Kloster besucht und durften der Puja, dem zeremoniellen Höhepunkt eines buddhistischen Tages, beiwohnen. Das Kloster das wir besucht haben ist allerdings auch etwas außergewöhnliches, es ist Teil einer tibetanischen Flüchtlingssiedlung.

Als wir durch das große Eingangstor spazierten hörten wir bereits von weiter innen die ersten Gesänge und Trommelschläge. Wir bemühten uns also, möglichst ehrwürdig unsere Birkenstocks auszuziehen um zum Geschehen im Hauptraum dazuzustoßen. An den meisten Eingängen buddhistischer Klöster steht eine riesige Mantra-Rolle in einem Seitenraum, die man umrundend selbst andrehen kann. Viel kleinere Versionen dieser Rollen sind oft auch an den Außenwänden wichtiger Monumente oder Stupas angebracht, aber diese großen Rollen sind um einiges ruhiger. Scheinbar immer in Bewegung mahnt die kleine Glocke, die durch die Drehung der Rolle geläutet wird, zur Ruhe und Besinnung auf. Auch bei uns führte sie automatisch zu einer inneren Beruhigung und so öffneten wir vorsichtig die Stoffbahnen um ins Innere des Hauptraums zu gelangen.

Dort sahen wir uns mit einem Spalier sich in religiösem Singsang befindlicher buddhistischer Mönche konfrontiert. Ein roter Teppich führt direkt auf eine goldene Statue Buddhas zu, der vor einer Wand voller allerlei zeremoniellen Habseligkeiten saß. Da stehen dann Abbildungen der wichtigsten lokalen Mönche, vom Dalai Lama und andere Fotos sehr ähnlicher Figuren in goldenen Bilderrahmen an die Wand gelehnt. Die Rückwand selbst besteht eigentlich meist nur aus einer Glasvitrine die hunderte kleinerer Buddha-Statuen enthält. Alle wohnten sie dem Geschehen im Raum bei, erlaubten sich kein Urteil ob der aufwändigen Opfergaben auf den Tischen vor ihnen. Decke und Wände sind komplett bemalt, da wurde offensichtlich keine Müh gescheut um eine mystische Stimmung heraufzubeschwören.

Während über uns riesige Mantras thronen suchten wir uns einen Sitzplatz an einer der Seiten hinter den Mönchen, niemand beachtete uns, alle waren zu tief in die Rezitation einer Sammlung loser Textblätter vertieft. Irgendwie schienen wir weder willkommen noch geächtet, wir blieben die ganze Zeit über passive Beobachter. Doch auch wenn wir von den Handlungen selbst eigentlich nichts verstanden verfehlte die heraufbeschworene Stimmung ihre Wirkung nicht. Die dreißig Mönche murmelten mal mehr mal weniger intensiv ihre Texte auf, begleitet von monumentalen Trommeln die den Rhytmus vorgebaben. Ab und zu schnipsten sie im Rhythmus, mal alle synchron, mal ziemlich durcheinander. Und alle paar Minuten wurde der Gesang, der keiner erkennbaren Harmonie zu folgen schien, jäh unterbrochen. Dann war es Zeit für die Tröten. Ein schöneres Wort fällt mir da ehrlich nicht ein, denn was da aus den langen, Alphorn ähnlichen Blechröhren kam klang schräger als jede Guggenmusik in Hintertupfingen.

Begleitet von ein paar anderen nicht identifizierbaren Rhythmus-Instrumenten schien das Ziel zu sein, das möglichst disharmonischste Geräusch als absichtlich hervorgebracht zu verkaufen. Aber nach wenigen Sekunden geht es auch wieder los mit dem Trommel-Summen. Die jüngeren Mönche in der zweiten Reihe wirkten ab und an etwas übermüdet, fiel ihnen doch das Verstecken ihrer mittlerweile regelmäßigen Gähn-Wellen immer schwerer. Und je weiter der immergleiche Ablauf von Gemurmel und Kakaphonie voranschreitet, desto unruhiger wurde die Belegschaft auf den billigen Plätzen.

Nach und nach werden die Devotionalien und verschiedenste Wasserbehälter ausgetauscht und unter ohrenbetäubendem Tröten nach draußen transportiert. Der frisch geleerte Krug wird dann über dem Kopf eines Mönches wieder an seinen ursprünglichen Platz gestellt und harrt dort vermutlich seiner nächsten Befüllung.

Nach ungefähr einer Stunde waren dann auch alle Gefäße geleert, alle Tröten verstummt und die Mönche begonnen langsam ihren Weg zurück in den Alltag. Es ist immer schön anzusehen, wie die kahlgeschorenen, tiefroten Mönche in einer Gruppe unterwegs sind. Irgendwie haben wir automatisch großen Respekt vor diesen Menschen, die sich ein Leben lang der Lehre Buddhas und seiner Schriften widmen. Und die Puja, deren Zeuge wir waren, hatte auch auf uns eine beruhigende Wirkung, ähnlich, aber auch ganz anders als ein christlicher Gottesdienst schaffte es die Zeremonie, uns innerlich entspannter in den Tag blicken zu lassen.

Robin

Der Ersteller und Maintainer dieses Blogs. Außerdem scheint er gerne zu jonglieren...

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