Du fragst dich vielleicht warum die zwei immer noch in Mexiko sind. Haben wir nicht insgesamt nur 6-7 Monate in Lateinamerika? Ist es da gerechtfertigt, so lange in einem Land zu verbleiben? Natürlich haben wir uns das auch schon gefragt, aber dabei wird man wohl diesem diesem wundervollen Landstrich nicht so wirklich gerecht. Mexiko ist nicht einfach nur ein Land mit einer einheitlichen Sprache, einer Landschaftsform und vielen Tacos. Nein, Mexiko ist viel eher eine explosive Mischung in so vielen Perspektiven. In Mexiko gibt es über 20 Landessprachen, Berge und Strände, Ruinen aus jeder Zeit der Geschichtsschreibung und einfach viel zu viel zu entdecken. Und der Ort, an dem dies wohl am Besten klar wird ist Oaxaca [Oahaka]. Gelegen im zentralen Tal von Oaxaca, südlich von Mexiko Stadt, gibt es hier an Kultur, Natur, Geschichte und natürlich leckeren Speisen so ziemlich alles, was uns in Mexiko hält. Ich versuche nun in ein paar Episoden von unserer Zeit in Oaxaca zu berichten. Ein Unterfangen, das wohl schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist, zu viel gab es zu sehen, zu viel zu erleben.
Am besten Fange ich wohl mit dem Essen an, denn ohne einen wohlgefüllten Magen lässt sich auch ein noch so spannender Ort nur schwerlich begreifen. Oaxaca gilt als Hauptstadt der mexikanischen Küche. Es gibt hier natürlich Tacos in Hülle und Fülle, aber das gibt es auch sonst überall in Mexiko. Hier gibt es jedoch auch jede Menge Memelas, die ureigene Mole und unzählige uns unbekannten Streetfood auf den lokalen Märkten. Im wuseligen Treiben des Markts kann man Tejate, ein Getränk aus der Kakaoblüte, Horchata und auch das ein oder andere gebratene Insekt frisch auf die Hand genießen. Steckt einem mal ein Grashüpferbein zu weit im Rachen kann man dieses einfach mit einem der zig lokal gebrannten Mezcals runterschlürfen, denn die Umgebung im Tal von Oaxaca ist voll von großen Agaven-Plantagen aus dem diese dem Tequila sehr verwandte Spirituose gewonnen wird. Schon seit Jahrtausenden haben hier die Zapoteken und später die Mixteken, zwei weitere Hochkulturen Mexikos, den fruchtbaren Boden genutzt um sich nach Lust und Laune zu betrinken. Nicht ohne Grund sagt man über die Oaxaquenos sie seien klein, freundlich und ein bisschen dick. Bei so einem Essen ginge es mir wahrscheinlich ebenso.
Gelingt es einem, mal ein paar Kilometer aus dem Stadtzentrum hinauszufahren bietet Oaxaca zudem einen spannenden Mix aus Natur und Kulturerfahrungen. Nicht das hier, wie schon erwähnt, einst die Mixteken ihr Unwesen trieben und die ein oder andere Palastanlage an uns Besucher überlassen haben, nein, es gibt hier sogar noch eine der beeindruckendsten Ruinen in ganz Mexiko, von einer Kultur, die wohl den wenigsten ein Begriff wäre. Denn die Zapoteken, anders als ihre etwas weniger gut organisierten mixtekischen Nachkommen, begnügten sich nicht mit ein paar kleinen aber feinen Palästen. Sie wählten stattdessen einen Berg als ihre Hauptstadt, flachten diesen um sicher 50-60 Meter ab um genug Baufläche zu bekommen, und bauten über mehrere Jahrhunderte hinweg eine Anlage auf die Spitze, die seinesgleichen höchstens in den Inkaruinen Macchu Picchus finden kann. Hoch über dem ohnehin schon hoch gelegenem Tal thronten sie, bauten Pyramiden und überwachten die frühzeitliche Handelsaktivität zwischen Mayas und den Kulturen des weiter nördlichen Mesoamerikas. Es muss schon eine beeindruckende Erfahrung gewesen sein, auf die majestätischen Pyramiden zu steigen und von dort hunderte Kilometer in die Zukunft schauen zu können. Auch heute verfehlt die Ruine von Monte Alban diese Impression nicht, und das, obwohl wir mit Dach und Krach in einem der selbstmörderischen Sammelbusse den Berg hinauffahren konnten und nicht, wie anno dazumal, zu Fuße. Nahezu als Beilage zu diesen Highlights unserer Reise servierte Oaxaca uns noch den breitesten Baum der Welt, ein riesiger, verknoteter Holzklotz voller Lebenskraft und Vogelgezwitscher.















