Die Ha Long Bucht

Vietnam ·   ·  4 min zu lesen

Heute schreibe ich von Bergen, die im Nassen stehen, von Deutschen die ins Nasse gehen und von Fischen die sich im Kreise drehen. Wir waren in der beeindruckenden Ha Long Bucht, im Norden Vietnams, und sind mal wieder beeindruckt von den verrückten Landschaften, die dieses wunderschöne Land für uns bereit hält.

Die Ha Long Bucht ist natürlich weit über die Grenzen des Weltreisenden Jonglage-Tourismus hinweg bekannt und beliebt für ihre bezaubernden Bergformationen. Immer, wenn es eine Doku nach dem Motto “Wunderschönes Asien” oder “10 Mystische Orte der Welt” gibt ist die Ha Long Bucht nicht weit. Sie ist aber auch einfach zu einprägsam mit ihrer weitläufigen Berglandschaft, dem Mekka der Wasserberge. Das führt natürlich auch dazu, dass es eine immer größer werdende (Aber auch schon beträchtlich große) Menge an Touristen gibt, die jedes Jahr hierher kommen. Doch glücklicherweise sind die meisten Asien-Touristen eher auf einen Insel-Urlaub am Strand mit Cocktail vorbereitet und lassen sich dann manchmal vom kalten Vietnam-Frühling mit Regen und Wind abschrecken. Als mittlerweile erfahrene mit allen Wassern gewaschene Langzeit-Reisende konnte uns die Aussicht auf ein kühles Lüftchen aber natürlich nicht abschrecken, nein, sie motivierte vielleicht auch ein bisschen, mal wieder die warmen Sachen aus Nepal auszupacken. Man will sie ja auch nicht umsonst den ganzen weiten Weg nach Vietnam herumgetragen haben.

Direkt am Morgen, irgendwie scheinen die meisten meiner Stories so anzufangen und das, obwohl wir ja eigentlich nicht gerade die Frühaufsteher sind, ging es also auf unserem Kahn los in Richtung Ha Long Bay. Zu unserem Programm gehörte an diesem Tage einerseits natürlich das ausführliche Betrachten der Nebelschwaden-behängten Felsstrukturen, aber andererseits auch jede Menge weiterer Spaß. Wir planten eine Kayak-Tour durch eine kleine Höhle, ein planschen im Wasser und ein Besuch einer Fisch-Farm. Pünktlich zum Ablegen begann dann auch der Regen, das kam uns aber eigentlich ganz gelegen, denn dadurch hatten wir das “Sonnendeck” unseres Bootes mit dem Segen des Käptns. Wir stellten uns also demonstrativ außerhalb des überdachten Bereichs ganz vorne an die Spitze des Bootes und simulierten ein ums andere Mal wie Leonardo di Caprio Kate Winslet ins Verderben gekuschelt hatte. Nur mit schlechterem Wetter als bei denen.

Nachdem wir uns gar nicht an der Landschaft satt sehen konnten, Berge im Wasser, neben Bergen im Wasser neben Booten im Wasser vor Bergen im Meer, trafen wir auch schon an der Kayaking-Stelle ein. Stolz präsentierten wir allen anderen Versammelten unsere wasserdichten Hosen und hüpften direkt ins Kayak um dann für eine Stunde lang und unter angestrengter Paddelei zumindest eines Crew-Mitglieds durch Höhlen über Wasser zu gleiten. Die Fotografin hatte einiges zu tun und so verging das Paddeln wie im Fluge. Die unausgesprochene Konkurrenz um das schnellste Boot gewannen wir natürlich dank eines sicher regelkonformen Manövers kurz vor der Anlegestelle. Ich hatte den anderen Paddler “einfach übersehen” als er neben uns anlegen wollte, eine Medaille gab es dann aber leider trotzdem nicht.

Nach einem ausgewogenen Mittagessen auf dem Boot war auch schon die Badezeit angebrochen. Während wir uns noch fragten wie wasserdicht unsere Wasserhosen wirklich waren hüpften schon die ersten lebensmüden Touristen neben uns ins eiskalt aussehende Wasser. Uns fröstelte es noch ein wenig mehr und wir machten uns wieder auf den Weg gen Eisberg auf dem Sonnen/Regendeck. Ein paar Minuten voller kälte-schmerzverzerrter Schreie und vermeintlichen Badespaßes später ging es auch schon weiter Richtung Fischfarm. Die “Farm” war eigentlich eine Ansammlung von Holzbrettern die mit Fischnetzen verbunden auf dem Wasser schwammen. Die Aufgabe der Touristen war es, möglichst ohne ins Wasser zu fallen auf den glitschigen Brettern balancierend von einem Netz zum nächsten zu tanzen um dort von den teilweise riesigen Fischen nur noch eindrücklicher gezeigt zu bekommen, warum man besser nicht auf den Brettern ausrutschen sollte. Immer wieder wurden von den Farmern kleine tote Fische in die Netze geworfen nur um dann unter angsteinflößendem Platschen nach 2 Sekunden von den Insassen gefressen zu werden. “Tell me you hate everyone without telling me you hate everyone” war wohl die Aufgabe der Fische. Leider hüpfte diesmal niemand ins Wasser und so war der Fischfarmspaß auch nach einer halben Stunde wieder vorbei.

Sicher ist die Ha Long Bucht wegen ihrer weltweiten Bekanntheit eine touristische Angelegenheit. Eigentlich jeder geht irgendwo dort Kayak fahren, schaut sich die Bucht an oder wandert zu einem Aussichtspunkt. Aber sie ist zu dieser Bekanntheit ja nicht ohne Grund gekommen, und uns hat es dort außergewöhnlich gut gefallen. Die Landschaft ist einfach einmalig und etwas ganz beeindruckendes, und jedes noch so schlechte Wetter hätte uns niemals davon abgehalten, dort hin zu gehen. Wir hatten den ganzen Tag Spaß dabei und wirklich Schwierigkeiten, die Kamera mal wegzulegen, so schön hat sich vielleicht auch gerade bei Regen die Bucht für uns präsentiert.

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Robin

Der Ersteller und Maintainer dieses Blogs. Außerdem scheint er gerne zu jonglieren...

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