“Ooola” begrüßt uns der knallbunte Papagei etwas mürrisch an unserem ersten Morgen im Paradies. “Oooola” rufen wir ihm vergnügt zurück. Herzlich Willkommen an der Laguna de Apoyo, einem großen Vulkankrater gefüllt mit klarem, angenehm warmen Süßwasser. Umrandet mit Regenwald voller niedlicher Brüllaffen, exotischen Früchten und allerlei Wildschweinen liegt die Lagune in einem tiefen Tal, wie der Bauchnabel eines riesigen, gemütlichen Nicas der sich ob der stacheligen, rauchigen Vulkanlandschaft auch einfach mal ein Nickerchen gönnt und verträumt in den Sternenhimmel blickt.

Hierher zu kommen war, wie eigentlich immer in Nicaragua, quasi kinderleicht. Denn in diesem winzigen aber wunderschönen Ländchen huschen die alten Schulbusse Amerikas alle paar Minuten über die gut ausgebauten Straßen, man muss sich also nur irgendwo an eine Straße stellen und nach ein paar Minuten kommt der nächste Trip ins Nirvana. Oder eben an die Lagune. Ohnehin ist in Nicaragua nichts weit entfernt. Innerhalb weniger Stunden kommt man mit dem Bus von Managua nach Granada (Betonung auf dem zweiten ‘a’), vorbei an dem ein oder anderen Vulkan oder einer schönen Kolonialstadt mit niedlichen Kirchen und traumhaften Surferstränden. Das ist, im Gegensatz zum so weitläufigen Mexiko, für uns wirklich mal eine angenehme Abwechslung, denn auch wenn wir gar nicht so viel Zeit mit den super freundlichen Nicas haben gibt es hier doch so einiges zu tun. Aber zuerst einmal heißt es ankommen, an der Lagune, im Nirvana, am Bauchnabel Mittelamerikas.

Unsere Tage in dieser friedlichen Oase vergingen denn aber auch wie im Flug, oder vielleicht eher wie beim Schwimmen und Tauchen. Wir standen jeden Morgen pünktlich mithilfe eines Brüllaffen-Konzerts auf, schlupften in unsere Badekleidung und sprangen in den klaren, friedlichen See. Das weiche Wasser hüllte sich wärmend um unsere von der Reise geschundenen Körper und wir planschten als ob der Morgen keinen Abend hätte. Dann frühstückten wir zusammen ein paar frische Früchte und unser übliches Hafermüsli und schon ging es zum Freitauchkurs an die wohl entspannteste (und auch einzige) Freitauchschule Nicaraguas. Maren lernte das Tauchen so sehr zu lieben wie ich ein paar Monate zuvor und schon nach zwei Tagen trafen wir uns in 20 Metern Tiefe, mitten im Nabel, und genossen nun wieder vereint die Ruhe die es nur in diesen Tiefen zu erfahren gibt. Ein ums andere Mal stürzten wir uns hinab, mal schnell und sportlich, mal etwas ruhiger und entspannter, und genossen unsere neu gewonnene Freiheit, diese Endlosigkeit des Wassers die zu beschreiben mir noch immer nicht leicht fällt. Am Abend gönnten wir uns dann normalerweise noch einen leckeren Veggie-Burger vom Freitauch-Cafe, schmissen unsere nun abermals müden Körper in die Schaukelstühle unseres Beach Clubs und schauten den Reihern zu, wie sie leise und anmutig über den See schwebten.

Die Laguna de Apoyo, auch bekannt als das Paradies auf Erden, sollte noch für so einige gebrochene Herzen im Verlauf der kommenden Wochen sorgen. Immer wieder würden wir uns dieses wunderschöne, türkise Wasser zurückwünschen, die von den Wellen schwankende Freitauchboje mit einem Seil ohne Ende hinein in eben jenes frische Blau. Immer wieder würden wir uns an diese träumerischen Tage in der Lagune zurückversetzen und noch heute, beim Schreiben dieses Textes schon so weit von Nicaragua entfernt, spüren meine Fußgelenke das weiche Wasser des Sees. Jedes Mal wenn ich nun jemanden mit einem undeutlichen “Ola” (= Hola = Hallo) begrüße sehe ich vor meinem inneren Auge unsere ersten Tage in Nicaragua vor mir, unser Start im Land des Feuers