Bei den Pyramiden

Ägypten ·   ·  6 min zu lesen

Es wäre ein Frevel, einen Blog zum Thema Ägypten zu haben und nicht wenigstens einen Artikel über die Pyramiden zu schreiben. Aber fangen wir von vorne an: Noch bevor wir das letzte verbleibende antike Weltwunder betrachten wollen, schlängelten wir uns einige Tage durch Kairo. Laut, staubig und überfüllt beschreibt die Stadt wohl am Besten. Das gibt uns so wohl einen perfekten Vorgeschmack auf Indien, wo alles vermutlich noch lauter, staubiger und überfüllter sein wird. Doch auch Kairo hat einige wunderschöne Moscheen, Forts und koptische Kirchen zu bieten. Schon wenn man es einmal schafft, sich den lockenden Rufen der touristischen Verkäufern auf der Hauptstraße zu wiedersetzen um in eine kleine Nebenstraße abzubiegen, zeigt sich das wohl das wahre Gesicht Kairos: Wie in der Winkelgasse reihen sich dicht kleine Häusschen nebeneinander.

Manchmal sind die Straßen so schmal, dass man nur hintereinander laufen kann. Geschäftig wird an jeder Ecke gefeilscht, sich freundschaftlich umarmt und gemütlich mit Freunden bei einer Tasse Schwarztee Backgammon gespielt. Je weiter man sich aus dem Zentrum entfernt, desto einfacher werden die Häuser. Arbeiter gehen ihren traditionellen Handwerksberufen nach und hämmern konzentriert Metallbleche oder schneiden Ledersohlen. Sie freuen sich, wenn man stehenbleibt, zeigen stolz, was sie gerade anfertigen und bemühen sich mit uns ins Gespräch zu kommen. Die schrägste Begegnung war wohl, als ein Ägypter auf die Frage, woher wie kommen würden, selbstbewusst den Hitlergruß machte. (Übrigens kann man in Kairo an jeder Ecke ‚Mein Kampf‘ in der arabischen Übersetzung kaufen).

Nach zahllosen Straßenzügen, die beispielsweise nur auf Schuhe konzentriert sind, finden wir ein einheimisches Restaurant: Für gerade einmal einen Euro bekommt man hier einen Salat, ein Wasser und ein Essen. Es gibt Koshari, das Nationalgericht Ägyptens. Im Sekundentakt werden hier in einer Menschenkette erst Makkaroni, dann schwarze Linsen und Kichererbsen geschöpft. Am Tisch wird das mit einer Tomatensoße, Röstzwiebeln, Essig und Limettensaft abgerundet. Was wie nach einem Resteessen in einer Studenten-WG klingt, ist geschmacklich erstaunlich vielschichtig. Gerade Röstzwiebeln scheinen beim Kochen in Deutschland wirklich eine unterschätze Zutat zu sein. Aber auch das Essig und die Limetten passen fabelhaft zu der Tomatensoße! Einfach mal ausprobieren ;)

In Kairo befindet sich auch das größte Museum ägyptischer Kunst, inklusive der fantastischen Schätze der Grabkammer des Tutanchamun. Lieblos aneinandergereiht findet man in den restlichen Räumen unglaubliche Sarkophage, riesige Statuen vergangener Pharaonen und kunstvolle Schmuckstücke. Vermutlich gibt es weltweit nur wenige Orte, an denen die Qualität der ausgestellten Kostbarkeiten und die Art der Präsentation so weit auseinandergehen.

Eine halbe Stunde von Kairo entfernt, findet sich die längst einverleibte Stadt Gizeh. Es war ein erhabener Moment, als die Pyramiden bei dem Blick aus dem Fenster des Taxis in der Ferne auftauchten. Natürlich sind wir nicht die einzigen, die dieses einzigartige Bauwerk besichtigen wollen. Überall sind Menschen, die sich verrenken, um auf einem Photo so zu tun, als würden sie die Pyramide auf der Hand halten, sich an die Pyramiden lehnen oder sie an an der Spitze halten. Unterbrochen von den Pfiffen der Wachen, welche die Kletterer von ihren Exkursionen zurückzuholen versuchen und zahlreichen Fotoshootings schlängeln wir uns den Weg durch die Touristen.

Immer wieder kommen Kamelbesitzer, die uns für einen ‚Freundschaftspreis‘, ‚weil wir wie Ägypter aussehen würden‘ einen Kamelritt zu einem Aussichtspunkt anbieten wollen. Neben uns stehen Gerda und ihr Mann Herbert, unverkennbar Deutsche mit Bierbauch und Tennissockensandalen. Sie freuen sich über das Ägypter-Kompliment und stimmen einem wackligen Ritt auf dem ausgehungerten Kamel zu. Daneben eine englische Reisegruppe, die eifrig am Fotos knipsen ist, während ihnen erzählt wird, die Pyramide wurde von Sklaven errichtet (Neusten Forschungen zufolge ist dies nicht der Fall. Fachpersonal baute Seite an Seite mit bezahlten Bauern, die sich während der Dürreperioden wohl über einen Nebenverdienst freuten.)

Doch auch hier, scheint es auf den ersten Blick, als ob nur jeweils eine Seite der Pyramide zu besichtigen wäre. Die meisten Touristen bleiben direkt beim Parkplatz neben ihrem Reisebus stehen, um nur kurz Fotos zu machen. Und so kommt es, das schon eine Ecke weiter niemand mehr zu sehen ist und wir die Pyramiden ganz für uns alleine haben. Überall auf dem weitläufigen Gelände wird man von schönen Blickwinkeln, Nebengräbern und Tempeln überrascht.

Auch die Besichtigung des Inneren der Pyramiden hat einen richtigen Abenteuer-Charakter. Ein 400m langer, schmaler, schlecht beleuchteter Gang führt auf einer Art Hühnerleiter in das Herz der Pyramide. Da der Gang nur etwa 70cm hoch ist, ist man Wohl oder Übel gezwungen diese Distanz stark gebückt zurückzulegen. Mit jedem Schritt rein wird es noch enger und wärmer, sodass wir auf dieser langen Strecke mehrmals in der Taktik des Herabsteigens variieren mussten. Mal erscheint es einfacher, vorwärts zu gehen, dann mit besonders langen Schritten rückwärts.

Drinnen angekommen, eröffnet sich dem Besucher ein großer Raum, in dem man nun Stufen wieder hinaufsteigen muss. Doch der Spannungsbogen hört auch oben nicht auf. Krabbelnd kann man nun einen schmalen Schacht meistern, um dann in der Grabkammer anzukommen. In dieser findet man vor allem eins: Stille, wie man sie nur selten erlebt. Da diese Gräber leider bereits in der Antike ausgeraubt wurden, steht dort meist nur noch ein tonnenschwere Sarkophag, den die Grabräuber schlicht nicht mitnehmen konnten. Es ist schon ein mulmiges Gefühl zu wissen, dass man mitten in so einem alten Bauwerk ist, bei dem es nur einen einzigen, schwer begehbaren, Eingang gibt und man auf dem Rückweg wieder den selben abenteuerlichen Weg auf sich nehmen muss.

Leider fanden wir in ganz Gizeh keine einzige Infotafel. Aber natürlich haben wir letztendlich doch Input bekommen: Ein Guide, der verständnislos fragte, wo denn unsere Reisegruppe sei, bekam Mittleid mit uns und gab uns einen kleinen, aber sehr interessanten Input zu den Pyramiden. Nach einer Impulsfrage, warum die Ägypter die Pyramiden genau an dieser Stelle gebaut haben könnten, beantwortete er die Frage direkt selbst wissenschaftlich begründet. Mit Hilfe eines Mikrometers habe man an vielen Orten weltweit die Schwingungsenergie gemessen und siehe da - im Vergleich zu den Tempeln in Karnak (6000 Mikrometer Energie) habe Gizeh 30000 Mikrometer Energie. Das ließe sich natürlich auch wissenschaftlich prüfen und sei der Grund weshalb die Arbeiter vor Ort manchmal tagelang nichts Essen würden.

Leider verfehlte die Energie bei mir ihre Wirkung und so kehrten wir einige Minuten später völlig ausgehungert in ein Restaurant ein.

Maren

Die Künstlerin hinter allen Zeichnungen dieses Blogs. Außerdem ist sie die führende Architektin unserer Reise.

Copyright 2024 by Herumschlenkerei